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Gemeinsam sind wir stark

27/01/2012 von Moritz Clauß

Als Amnesty-Mitglied werde ich oft gefragt, ob wir mit unseren Aktionen überhaupt etwas erreichen. Na, und ob!

Moritz Clauß (20) ist seit 2009 aktives Mitglied der Ulmer Stadtgruppe von Amnesty International.

 

Seit knapp drei Jahren bin ich aktives Mitglied bei Amnesty International. Aktiv bedeutet: Ich zahle keinen Mitgliedsbeitrag, sondern ich bin ehrenamtlich tätig. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern unserer Gruppe betreue ich zum Beispiel gewaltlose, politische Gefangene, schreibe und übersetze Briefe für ihre Freilassung, erstelle Petitionen, helfe mit bei Infoständen oder engagiere mich in der Menschenrechtsbildung.

Von Außenstehenden werde ich hin und wieder gefragt, wieso ich diese Arbeit mache. Viele, die diese Frage stellen, gehen davon aus, dass man mit solchen Aktionen wenig bis nichts erreicht. Ich wurde sogar schon gefragt, wieso wir von Amnesty nicht direkt ins Geschehen eingreifen und mit Sondereinsatzkommandos Gefängnisse in China stürmen.

Natürlich erlebt man als Amnesty-Mitglied auch immer wieder Rückschläge.Trotzdem ist meine Antwortauf skeptische Fragen immer gleich: neben vielen Pleiten gibt es eben auch immer wieder Fälle, in denen Menschenrechtsarbeit – egal ob von Amnesty oder anderen Nichtregierungsorganisationen – Erfolg hat.

So sind beispielsweise rund 35 Prozent der Amnesty-Eilaktionen, der so genannten Urgent Actions, erfolgreich. Immer wieder kommen politische Häftlinge frei, so auch im Jahr 2010 der kubanische Journalist Juan Adolfo Fernández Saínz. Unsere Ulmer Stadtgruppe war eine der Amnesty-Gruppen gewesen, die jahrelang zum Fall Saínz gearbeitet hatte.

See video

Flashmob gegen Folter: Mit dieser Aufsehen erregenden Aktion unterstützte die Ulmer Amnesty-Gruppe am 26. Juni 2010 die Arbeit des "Behandlungszentrums für Folteropfer Ulm (BFU)". Video bei Youtube ansehen

Ich habe mich auch an der Kampagne „Mehr Verantwortung bei der Polizei” beteiligt, mit der Amnesty seit 2010 eine Kennzeichnungspflicht der Polizisten in Deutschlandgefordert hatte. Ich habe mich zwar „nur“ mit meiner Unterschrift beteiligt, aber da weit mehr als 50.000 Unterstützerinnen und Unterstützer bei Petitionen, Aktionspostkarten und E-Mail-Aktionen dasselbe getan haben, blieb die Forderung nicht ungehört: Als erstes Bundesland führte Berlin Mitte 2011 die Kennzeichnungspflicht ein.

Man erlebt als Amnesty-Mitglied also auch immer wieder, dass man mit dem eigenen Engagement etwas bewirken kann. Abgesehen davon macht diese Arbeit in der Regel auch Spaß. So habe ich für Amnesty beispielsweise bereits mit anderen Mitgliedern einen Flashmob gegen die Todesstrafe organisiert, oder einen Brief mit einer Petition als Anhang an den deutschen Außenminister geschrieben. Ich war auf zwei Jahresversammlungen in Magdeburg und Köln und habe dort über die Ausrichtung der deutschen Amnesty-Sektion diskutiert und abgestimmt – jedes Mitglied hat bei diesen Jahresversammlungen ein Stimmrecht. Außerdem habe ich an einem Menschenrechts-Workshop für Schüler und Lehrer mitgearbeitet.

Mitglied bei Amnesty zu sein bedeutet also weitaus mehr, als „nur“ Briefe zu schreiben. Es bedeutet auch, sich mit ganz unterschiedlichen Menschen gemeinsam für den Schutz der Menschenrechte zu engagieren und die Öffentlichkeit für die Anliegen von Amnesty zu gewinnen.

Denn je mehr Menschen mitmachen, umso mehr können wir bewirken.

 

Dieser Text wurde erstmals am 13. Dezember 2011 auf dem Blog acht9 veröffentlicht.

Amnesty-Bezirk Ulm | Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm | acht9

Bild oben:

Menschenrechte über alle Grenzen hinweg: Aktion von Amnesty-Mitgliedern im Mai 2009 in Saarbrücken.

© Amnesty International