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Ägypten: Frauenrechte schützen!

05/03/2012 von Henning Franzmeier (Sprecher der Ägypten-Ländergruppe von Amnesty)

Während Ägypten um seine Zukunft kämpft, laufen Frauen Gefahr, einmal mehr außen vor gelassen zu werden. Obwohl sie bei den Protesten im Januar und Februar 2011 eine wichtige Rolle spielten, werden sie nun von der Gestaltung eines neuen Ägyptens weitgehend ausgeschlossen und an den Rand der Gesellschaft gedrängt.

Henning Franzmeier (32) ist seit 1997 Mitglied bei Amnesty International. Nach Stationen bei verschiedenen Amnesty-Gruppen in seiner Heimatstadt Detmold und an der Universität Göttingen ist er seit drei Jahren Sprecher der Ägypten-Koordinationsgruppe der deutschen Amnesty-Sektion.

 

Als vor etwas mehr als einem Jahr die Proteste in Ägypten begannen, saß ich in Berlin gebannt vor dem Fernseher. Als Ägyptologe bin ich in den vergangenen Jahren selbst regelmäßig in Ägypten gewesen. Nun sah ich im Fernsehen, wie die mir so vertrauten Straßen und Plätze in Kairo gefüllt waren mit Frauen und Männern, die Hand in Hand für ihre Rechte auf die Straße gingen.

Ägyptische Freunde berichteten mir von den Demonstrationen und der großartigen Aufbruchsstimmung. Darunter war auch eine Freundin, die sich bereits seit langem für die Frauenrechte in Ägypten engagiert und sich besonders mit der alltäglichen sexuellen Belästigung von Frauen in der Öffentlichkeit auseinandergesetzt hatte. Sie verlieh immer wieder ihrer Hoffnung Ausdruck, dass sich nun die Verhältnisse in Ägypten bessern und auch die Frauen Teil des Wandels bleiben würden.

Männer wie Frauen hatten unter der Unterdrückung der Regierung von Hosni Mubarak gleichermaßen gelitten. Frauen sind jedoch zusätzlich seit Jahrzehnten mit diskriminierenden Gesetzen und einer tief in der ägyptischen Gesellschaft verwurzelten Geschlechterungleichheit konfrontiert.

Aber wie sieht die Situation heute aus, ein Jahr nach Mubaraks Sturz? Wurden die Hoffnungen auf mehr Teilhabe erfüllt?

 

Der Ex-Präsident steht zusammen mit einigen seiner alten Minister vor Gericht, es hat freie Wahlen gegeben. Dies sind gewiss Fortschritte. Doch Frauen sind nach wie vor kaum in den politischen Übergangsprozess eingebunden.

Enttäuschte Hoffnungen: Frauen und Männer demonstrierten gemeinsam gegen Mubarak, wie hier am 27. Januar 2011 in Kairo. Doch auch nach dessen Sturz hat sich die Situation der Frauen nicht verbessert. Sie werden weiterhin diskriminiert.

In der Regierung sitzen fast ausschließlich Männer, die einzige Ministerin ein Überbleibsel aus der Mubarak-Ära. Die Übergangsverfassung: ausgearbeitet von einem Gremium, in dem nur Männer saßen. Im neu gewählten Parlament mit seinen 498 Mitgliedern sitzen gerade einmal zwöf Frauen. Und eine Umfrage von Amnesty International bei den ägyptischen politischen Parteien ergab, dass auch nicht-religiöse Parteien einer Verbesserung der Situation der weiblichen Hälfte der Bevölkerung keine Priorität einräumen.

Auch auf den Straßen sehen sich politisch aktive Frauen zunehmender Gewalt ausgesetzt. Bereits nach Demonstrationen anlässlich des Weltfrauentages im März 2011 musste eine Gruppe junger Frauen sogenannte „Jungfräulichkeitstests“ über sich ergehen lassen. Im Dezember 2011 gingen schließlich Bilder einer halbentblößten jungen Frau um die Welt, die bei der gewaltsamen Auflösung einer Demonstration von Soldaten misshandelt wurde.

Setzen sie daher jetzt mit uns ein Zeichen! Unterschreiben Sie unsere Petition an die ägyptische Regierung und fordern Sie sie auf, endlich zu handeln und die Rechte der Frauen nicht länger zu missachten!

 

Damit sich die Hoffnungen der ägyptischen Frauen auf mehr Gleichberechtigung und mehr Teilhabe endlich erfüllen.

"Freiheit": Graffiti auf einer Wand in Kairo, April 2011.

Bild oben:

Kein Ende der Unterdrückung: Anlässlich des Weltfrauentags demonstrierten Frauen am 8. März 2011 in Kairo. Als ein aufgebrachter Mob die Demonstrantinnen auseinandertrieb, wurden einige Teilnehmerinnen von Männern begrapscht und geschlagen.

© Sarah Carr