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Mit Nadel und Faden für die Rechte von Frauen

08/03/2012 von Barbara Mertens (Gruppe „Menschenrechtsverletzungen an Frauen“)

Mit einer besonders bildhaften Aktion machte die Amnesty-Gruppe „Menschenrechtsverletzungen an Frauen“ am diesjährigen Weltfrauentag auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam. In den vergangenen Monaten folgten hunderte Menschen dem Aufruf von Amnesty und setzten mit selbstgenähten Puppen ein Zeichen gegen Diskriminierung und Gewalt.

Barbara Mertens kam 2003 über den Arbeitskreis Menschenrechtsbildung in Köln zu Amnesty und ist seit 2005 Mitglied der Themenkoordinationsgruppe „Menschenrechtsverletzungen an Frauen“. Für den Nähaufruf ihrer Gruppe schwang sie auch selbst Nadel und Faden.

 

Diskriminierung und Gewalt prägen weltweit das Leben vieler Frauen. Zwangsheirat, Genitalverstümmelung, Vergewaltigung, Säureattentate - die Liste der Menschenrechtsverletzungen an Frauen ist lang. Frauen werden in vielen Ländern massiv diskriminiert. Gewalt gegen Frauen ist weit verbreitet, doch viel zu häufig kommen die Täter straflos davon.

Dagegen wollte die Grafikdesignerin Isabell Neher gemeinsam mit Amnesty ein Zeichen setzen – und rannte damit bei unserer Gruppe „Menschenrechtsverletzungen an Frauen“ natürlich offene Türen ein. Isabell wollte sich gerne ehrenamtlich für die Rechte von Frauen und Mädchen einsetzen und trat mit einer kreativen Idee für den Weltfrauentag am 8. März an uns heran: Wie kann man an Infoständen Menschen schnell und unkompliziert für das Thema „Gewalt gegen Frauen“ sensibilisieren?

Ganz einfach: Mit einer Puppe, die einen direkter anspricht als geschriebene Informationen und die zur direkten Auseinandersetzung anregt.

Denn ein Päckchen mit einer auf den ersten Blick niedlichen Stoffpuppe lädt zum Hingucken und Zugreifen ein. Doch in der Puppe stecken Nadeln. Sie sind Symbol für die Verletzungen, die Frauen weltweit durch Gewalteinwirkungen erleiden. Auf einer Legende in der Verpackung sind erschütternde Ergebnisse von Studien zu Gewalt gegen Frauen prägnant zusammengefasst.

Machen auf Missstände aufmerksam: Eine der selbstgenähten Puppen mit Informationen über Menschenrechtsverletzungen an Frauen.

Isabells Idee gefiel uns sofort! Gemeinsam mit unserer Gruppe, die in Deutschland die Arbeit zu Menschenrechtsverletzungen an Frauen koordiniert, wurde Isabells Idee weiterentwickelt. Aus Amnesty-Berichten trugen wir die relevanten Daten und Fakten zusammen, während Isabell die Designerin Suse Bauer, die unter dem Namen RevoluzZza nachhaltige Produkte für Kinder aus fair gehandelten Biomaterialien herstellt, für das Projekt gewinnen konnte. Suse entwarf eine passende Puppe, erstellte Schnittmuster und Nähanleitung und fertigte einen Prototypen an. Isabell und die Kommunikationswirtin Michaela Butz texteten und gestalteten Pressematerial, einen Flyer und die Informationskarte zur Puppe.

Unser Ziel war es, pünktlich zum Weltfrauentag am 8. März möglichst viele solcher Puppen herzustellen und dann zu verteilen. Zu diesem Zweck wollten wir bundesweit Frauen, Männer, Schulen und Institutionen suchen, die bereit waren, Puppen nach Anleitung zu nähen.

Dann war es soweit: Im November 2011 brachten wir den Nähaufruf ins Rollen über Amnesty-Kanäle und die eigens für die Nähaktion erstellte Facebook-Seite. Von dieser ausgehend wurde der Nähaufruf in der „Crafting-Community“ – also unter jungen, handarbeitsbegeisterten Menschen - über Facebook-Seiten, Blogs und Online- sowie Print-Magazine der Handmade-Szene weiterverbreitet.

Ein tolles Ergebnis: Aus allen Teilen Deutschlands und vereinzelt sogar aus dem Ausland schickten hunderte Näherinnen und Näher ihre Puppen, um ein Zeichen gegen Gewalt gegen Frauen zu setzen.

Bald stellten Handarbeitsbegeisterte – oder „Craftinas“ – fleißig Stoffpuppen her und kamen so mit Amnesty und dem Thema Menschenrechtverletzungen an Frauen in Berührung. Beim gemeinsamen Nähen wurde in Nähcafés und offenen Werkstätten, Schulen und Kindergärten, im Büro und zu Hause über die Rechte von Frauen und Mädchen diskutiert.

Es dauerte nicht lange, und schon hatten einige von uns einen passenden Spitznamen für die Puppen gefunden: Amnestia.

Die Resonanz auf unseren Aufruf war überwältigend: Bereits im Januar trudelten täglich neue Puppen bei uns ein. Es erreichten uns Päckchen aus allen Teilen Deutschlands, aber auch vereinzelt aus dem Ausland, beispielsweise aus Kroatien, Frankreich und Luxemburg. Damit hatten wir gar nicht gerechnet.

 

Insgesamt wurden es 517 Puppen. Ein wirklich tolles Ergebnis!

Durch die vielen unterschiedlichen Näherinnen und Näher entstanden – trotz der festgelegten Amnesty-Farbgebung - ganz einzigartige Puppen. Von jeder einzelnen Puppe machten wir Fotos, um sie auf unserer Facebook-Seite zu veröffentlichen. Die Seite diente außerdem als Forum für Diskussionen und Fragen zur Aktion, und in wöchentlichen Postings gab es weiterführende Informationen zu den dargestellten Menschenrechtsverletzungen und passende Aktionsmöglichkeiten.

Und was ist nun mit den Puppen geschehen? Wir haben sie zusammen mit der Informationskarte verpackt und an interessierte lokale Amnesty-Gruppen verschickt, die Aktionen am Weltfrauentag planten. Die Schaupuppe wird es den Amnesty-Gruppen hoffentlich erleichtern, mehr Menschen für die schreckliche Situation vieler Frauen zu sensibilisieren und sie dazu zu bewegen, sich selbst für den Schutz von Frauen und Mädchen zu engagieren.

Fertig verpackt: Die Puppen kurz vor dem Versand an die lokalen Amnesty-Gruppen.

Und weil viele der Freiwilligen, die uns ihre Puppen geschickt haben, natürlich neugierig sind, wohin es ihre „Amnestia“ verschlagen hat, werden wir auf http://www.facebook.com/GrausamesSpiel fleißig weiter posten und über die Informationsstände, Ausstellungen, Lesungen und Aktionen berichten, die durch die Puppen bereichert wurden.

Vielen Dank an alle, die sich mit Nadel und Faden an der Aktion beteiligt und somit ein Zeichen gegen Gewalt und Diskriminierung gesetzt haben!

Und natürlich kann jeder auch ohne Nadel und Faden ein Zeichen setzten - zum Beispiel mit einer Unterschrift unter die Amnesty-Petition für mehr Frauenrechte in Ägypten. Jetzt mitmachen!

 

Gruppe "Menschenrechtsverletzungen an Frauen" | Isabell Neher | Facebook-Seite der Aktion | RevoluzZza

Bild oben:

Nähen für die Rechte von Frauen: Die "Amnestia" getauften Puppen für den Weltfrauentag 2012.

© Isabell Neher