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"Da geht doch was!"

31/08/2012 von Nadja Schulze (Amnesty-Mitglied aus Hamburg)

Beim Konzert der amerikanischen Band "Dispatch" in Hamburg sammelten Amnesty-Mitglieder viele Unterschriften für die Freilassung der drei inhaftierten Sängerinnen der Punk-Band "Pussy Riot".

Nadja Schulze (29) engagiert sich seit 2006 für Amnesty International und war einige Jahre Gruppensprecherin einer Bezirksgruppe in Hamburg.

 

Was kann einem Besseres passieren, als von einer richtig guten Band – nämlich "Dispatch" - gefragt zu werden, ob man einen Amnesty-Stand bei einem ihrer Deutschlandkonzerte machen könnte?

Die Antwort von Amnesty-Mitglied Lutz Hühnken und mir lautete daher sofort: "Na klar machen wir einen Stand!"

Am 20. August, nur drei Tage nach der Verurteilung der drei Sängerinnen der russischen Punk-Band "Pussy Riot", war der Live-Club "Knust" im Hamburger Schanzenviertel genau der richtige Ort, um als Amnesty-Mitglied Gesicht zu zeigen und für die Freilassung der Inhaftierten aktiv zu werden.

Nadezhda Tolokonnikova, Maria Alekhina und Ekaterina Samutsevich waren am 17. August in Moskau zu zwei Jahren Straflager verurteilt worden. Ihr "Vergehen": ein etwa dreiminütiger Auftritt in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale, bei dem sie gemeinsam mit anderen Band-Mitgliedern mit einem "Protestgebet" gegen Präsident Putin protestiert hatten.

In den Tagen vor ihrem Gig in Hamburg hatten sich die Mitglieder von "Dispatch" bereits mehrere Male für die Freilassung der drei Frauen stark gemacht - auch gemeinsam mit Amnesty.

Am Abend des Konzerts stolperten Lutz und ich um kurz vor 19 Uhr ins "Knust", das für die anderen Gäste noch geschlossen war. Dirk, der Manager des Clubs, sorgte dafür, dass wir den optimalen Stellplatz bekamen – direkt neben dem Eingang, durch den später alle Konzertbesucher strömten.

Auf keinen Fall wollten Lutz und ich die Gäste beim Sammeln von Unterschriften oder Spenden zu sehr bedrängen und hielten uns etwas zurück. Als wir Dirk fragten, ob es denn in Ordnung wäre eine Spendendose aufzustellen, lautete seine Antwort aber nur: „Natürlich könnt ihr das machen. Ich habe auch nichts dagegen, wenn ihr sie direkt neben die Ticketkasse stellt“.

Konnten viele Unterschriften für "Pussy Riot" sammeln: Die beiden Amnesty-Mitglieder Nadja Schulze und Lutz Kühnen beim "Dispatch"-Konzert in Hamburg.

Mit dem großen Amnesty-Banner im Rücken und den Informationsmaterialien zu verschiedenen Kampagnen vor uns waren wir optimal präpariert. Nach und nach trudelten die ersten Konzertgänger ein – aber nicht alle hatten sofort Lust, sich beim Feierabendbier auf einen Infostand zu stürzen. Das änderte sich, sobald klar war, dass wir uns für die Bandmitglieder von Pussy Riots einsetzen. Vielen ging Schicksal der inhaftierten Frauen sehr nahe und mit einer Unterschrift konnten sie ein sichtbares Zeichen gegen staatliche Willkür setzen.

Umringt von einer Traube junger Frauen – alle festentschlossen, für "Pussy Riot" aktiv zu werden - verteilten Lutz und ich Stifte und Petitionslisten in alle Richtungen. Auch ein gebrochener Arm konnte eine Konzertbesucherin nicht daran hindern, mit ihrer Unterschrift den russischen Generalstaatsanwalt um die Freilassung der Gefangenen zu bitten.

Am Ende der Aktion schaute Dirk noch einmal vorbei und warf einen Blick auf die Petitionslisten - sein Fazit: Da geht doch noch was! Um dann mit den Listen unterm Arm im Publikum zu verschwinden und eigenhändig noch weitere Unterschriften zu sammeln. Im Gespräch erfuhren wir: Dirk hatte erst in der Woche zuvor ein Benefizkonzert zugunsten der Inhaftierten initiiert. Er ließ es sich nicht nehmen, die verbliebenen, noch leeren Unterschriftenlisten zu behalten, um sie beim nächsten Konzert erneut auszulegen.

Eine Sache, die wir auf jedem Fall gelernt haben: Es gibt viele Menschen, die bereit sind, die Arbeit von Amnesty zu unterstützen. Man muss lediglich den ersten Schritt zu machen, und schon wird man viele Mistreiter finden.

Amnesty wird sich auch weiterhin für "Pussy Riot" einsetzen.

Machen auch Sie mit! Beteiliegen Sie sich an unserer Online-Petition und fordern Sie die Freilassung der drei Sängerinnen von "Pussy Riot": www.amnesty.de/pussy-riot

 

Vielen Dank für Ihren Einsatz!

Bild oben:

Freiheit für "Pussy Riot": Die Bandmitglieder von "Dispatch" fordern gemeinsam mit Amnesty die Freilassung der drei Sängerinnen der russischen Punk-Band.

@ Amnesty International