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6 Tools, mit denen ihr eure Privatsphäre im Netz schützen könnt

03/06/2015 von Online-Team (Abt. Kommunikation & Kampagnen, Amnesty Deutschland)

Weil Geheimdienste unsere digitale Kommunikation immer stärker bespitzeln, haben wir eine Liste von Tools zusammengestellt, die zum Schutz der Privatsphäre beitragen und Anrufe, E-Mails, SMS und Chats sicherer machen können.

Angesichts der enormen Macht von Behörden wie der NSA und dem GCHQ hat man oftmals das Gefühl, man könne nicht wirklich etwas ausrichten. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, um die Kontrolle über die private Kommunikation im Netz zurückzugewinnen .

Die sechs unten beschriebenen Tools sind geschaffen worden, um bei der digitalen Kommunikation für mehr Sicherheit und Privatsphäre zu sorgen. Es handelt sich dabei um Alternativen zu den gebräuchlichen Apps, Webseiten und Programmen.

Anmerkung: Kein Tool und keine Kommunikationsanwendung sind einhundertprozentig sicher. Es gibt zahlreiche Mittel und Wege, wie Regierungen Kommunikationsdaten abfangen und sammeln können. Aktivist_innen und Journalist_innen sollten sich daher nicht auf diese sechs Tools allein verlassen, sondern sie vielmehr im Rahmen einer umfassenderen Sicherheitsstrategie anwenden. Natürlich gibt es neben den hier aufgelisteten Tools noch zahlreiche weitere: Auf den Webseiten Security-in-a-Box (von den NGOs Tactical Technology Collective und Front Line Defenders), Surveillance Self-Defense (von der NGO Electronic Frontier Foundation) und Digitale Selbstverteidigung  (von der NGO Digitalcourage) gibt es nützliche Informationen dazu, was man noch für einen besseren Schutz der Privatsphäre im Netz tun kann.

1. TextSecure – für Kurznachrichten
TextSecure ist eine benutzerfreundliche kostenlose App für Android-Geräte (eine vergleichbare App für iPhones heißt Signal). Es handelt sich um einen Open-Source- Messenger, der in vielen Aspekten WhatsApp ähnelt und Nachrichten, Bilder, Video- und Audiodateien verschlüsselt. Dazu nutzt TextSecure die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, sodass ausschließlich Sender_in und Empfänger_in die verschickten Inhalte lesen können. (Weiter unten sind einige der Fachbegriffe erklärt.)

2. Redphone – für Anrufe
Redphone ist ebenfalls eine kostenlose Open-Source-App für Android-Geräte, die eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Telefonate bietet (iPhone-Nutzer_innen können auch hierfür die App Signal nutzen). Die Anrufe laufen über das Internet, sodass keine zusätzlichen Kosten fürs Telefonieren anfallen.

3. meet.jit.si – für Videoanrufe und Instant Messaging
meet.jit.si ist ein kostenloser Open-Source-Dienst, der sichere Sprachanrufe, Videoanrufe, Videokonferenzen sowie das sichere Übermitteln von Sofortnachrichten und Daten ermöglicht. Die Anwendung läuft direkt im Browser, sodass keine zusätzlichen Downloads notwendig sind, und ermöglicht Videoanrufe mit mehreren Teilnehmer_innen gleichzeitig. meet.jit.si ähnelt den Hangouts von Google, bietet für Anrufe und Chatnachrichten jedoch eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Für Windows, Linux, Mac OS X und Android gibt es zudem eine Desktop-Version namens Jitsi.

4. miniLock – für den Datenaustausch
Mit diesem kostenlosen Open-Source-Plugin für den Webbrowser können Daten – z. B. Videos, E-Mail-Anhänge und Fotos – verschlüsselt und ganz leicht mit Freund_innen geteilt werden. Mithilfe des spezifischen miniLock-IDs ist es möglich, Daten nur für bestimmte Kontakte freizugeben.

5. Mailvelope – für sicherere E-Mails
Mailvelope ist eine kostenlose Browser-Erweiterung für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von E-Mails. Sie ist für fast alle gängigen Webmail-Anbieter wie Gmail, Yahoo und Outlook vorkonfiguriert. Es handelt sich um ein Open-Source-Projekt, das nach dem OpenPGP-Standard verschlüsselt.

6. SpiderOak – für das Speichern in der Cloud
Mit SpiderOak können Daten gesichert, mehrere Geräte synchronisiert und Inhalte vertraulich geteilt werden. Anders als bei Cloud-Diensten wie Dropbox verhindert die umfassende Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, dass der Anbieter der Cloud die auf seinen Servern gespeicherten Daten einsehen kann. Zwei Gigabyte Speicherplatz sind kostenlos, für ein Terabyte berechnet SpiderOak 12 US-Dollar pro Monat.

Kurze Erläuterung einiger Fachbegriffe

Verschlüsselung
Durch eine Verschlüsselung wird etwas so kodiert, dass das Original nicht mehr erkennbar ist. Moderne Verschlüsselungen sind – sofern die Umsetzung stimmt – praktisch nicht zu knacken. Bei der Ver- und Entschlüsselung von Inhalten wird ein komplexes Passwort – der sogenannte Schlüssel – zur Authentifizierung genutzt. Bei E-Mail-Diensten oder Webseiten verfügt meist der jeweilige Anbieter über den Authentifizierungsschlüssel und hat somit umfassenden Zugang zu allen damit verbundenen Daten. Regierungen können solche Anbieter dazu zwingen, den Schlüssel herauszugeben, oder sich auf anderem Wege Zugang zu deren Servern verschaffen, um so direkten Zugang zu den dort gespeicherten Daten zu bekommen.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
Bei der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung befindet sich der Schlüssel ausschließlich bei Sender_in und Empfänger_in, sodass sich niemand sonst Zugang zu den verschlüsselten Daten verschaffen kann. Für den Anbieter, über den die Kommunikation abgewickelt wird – und jeden, der versucht, sich Zugang zu den Daten zu verschaffen –, sehen die versendeten Inhalte aus wie wahllos aneinandergereihte Nummern und Buchstaben. Zwar lässt sich nicht verbergen, zwischen wem die Kommunikation stattfindet, die Inhalte sind so jedoch geschützt.

Open-Source
Häufig liegt Computer-Software ein proprietärer Quellcode zugrunde, das heißt, dass der Entwickler der Software als einziger Zugang zu diesem Code hat. Ein Open-Source-Quellcode ist für jeden zugänglich und analysierbar. Auch wenn es zunächst unlogisch erscheint, wird dies als der beste Weg betrachtet, um Software sicher zu machen. Das Open-Source-Prinzip trägt dazu bei, dass Software beispielsweise keine „Hintertür“ für Geheimdienste enthält und dass Sicherheitslücken entdeckt und geschlossen werden können.

Bild oben:

Willkürliches Ausspähen und Sammeln von persönlichen Daten geht vielen gegen den Strich - ein Mann demonstriert gegen die Spionage der U.S. Geheimdienste in Washington

© JASON REED/Reuters/Corbis