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Ich bin ein Kind des Krieges

16/05/2012 von Emmanuel Jal (Musiker und ehemaliger Kindersoldat)

Als ich acht war, schickte man mich mit einer Kalaschnikow in den Kampf. Heute setze ich mich mit Amnesty für eine strengere Kontrolle des Waffenhandels ein.

 

Ich heiße Emmanuel Jal. Heute bin ich Musiker und Aktivist. Doch früher war ich ein Kindersoldat im Südsudan. Ein Kind des Krieges.

Ich wurde in den Krieg im Sudan hineingeboren. Als ich fünf war, wurde meine Tante vor meinen Augen vergewaltigt, ein Mann vor meiner Mutter und mir getötet. Als ich acht war, schickte man mich mit einer Kalaschnikow in den Kampf.

Als Kind fragte ich mich immer, wie man so leicht an Waffen kommt. Heute weiß ich: Der Waffenhandel ist viel zu wenig geregelt. Waffen können zwischen Ländern hin und her geschickt werden, ohne dass ernsthaft geprüft wird, in wessen Händen sie letztendlich landen. Zusammen mit Amnesty International setze ich mich für strenge Regeln zur Kontrolle des Waffenhandels ein, damit solche Grausamkeiten, wie ich sie erleben musste, in Zukunft verhindert werden können.

Nach all den Jahren, in denen mein Land leiden musste, verfassen die Regierungen dieser Welt endlich einen Vertrag, um Waffenlieferungen an Diktatoren und Verbrecher zu verhindern. Den Inhalt dieses Vertrags werden sie im Juli bei einer UN-Konferenz in New York aushandeln. Das ist eine einmalige Gelegenheit für uns. Wir können dafür sorgen, dass dieser Vertrag Leben rettet. Amnesty wird vor Ort sein, um Ihre Unterschrift und die Millionen anderer Menschen aus der ganzen Welt zu überbringen. 

 

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Musiker, Aktivist, ehemaliger Kindersoldat: Emmanuel Jal unterstützt die Amnesty-Kampagne "Hände hoch für Waffenkontrolle".

Diktatoren, Bandenchefs und andere Kriegstreiber begehen schon seit Jahrhunderten furchtbare Gräueltaten. Dagegen gibt es kein einfaches Mittel. Aber wenn wir es schaffen, dass keine Waffen mehr in ihre Hände gelangen, können wir vielleicht Millionen von Menschenleben retten und Zehntausenden Kindersoldaten eine neue Chance geben.

Als Kindersoldat war ich Kanonenfutter. Irgendwann verlor ich fast den Verstand. Ich dachte: „Womit haben wir das verdient? Wo ist meine Familie? Warum müssen wir so leiden?“ Eine Schule gab es für uns nicht. Wie hätten wir auch zur Schule gehen können? Ständig rannten wir von einem Ort zum nächsten. Um uns herum herrschte Krieg und Angst. Immer wieder verloren Menschen ihr Leben.

Bis heute dauert der Krieg in meiner Heimat an. Seit zwei Wochen flüchten Menschen im Südsudan aus ihren Dörfern, weil Bomben auf ihre Häuser abgeworfen werden. Trotzdem versorgen reiche Regierungen das Land weiter mit Waffen.

"Der internationale Waffenhandel ist viel zu wenig geregelt": Eine sudanesische Militärdelegation auf der Waffen- und Rüstungsmesse MILEX-2011 in Minsk am 24. Mai 2011.

 

Ich bin mittlerweile 32 Jahre alt, lebe in London und arbeite als Hip-Hop-Musiker. Musik ist wie eine Therapie für mich. Sie gibt mir die Kindheit zurück, die man mir gestohlen hat. Wegen all der Kinder, die heute dasselbe durchmachen müssen wie ich damals, hoffe ich auf Ihre Unterstützung!

Emmanuel Jal für Amnesty International

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"Hände hoch für Waffenkontrolle": Clip zur aktuellen Amnesty-Kampagne für einen weltweit gültigen Vertrag zur Kontrolle des Waffenhandels. (Video auf YouTube)

Bild oben:

Setzt mich gemeinsam mit Amnesty für eine strengere Kontrolle des internationalen Waffenhandels ein: der sudanesische Musiker und ehemalige Kindersoldat Emmanuel Jal.

© Kalpesh Lathigra