Skip to main content

Frauen und Mädchen im Visier

08/03/2013 von Annette Hartmetz (Activism & Kampagnen, Amnesty Deutschland)

In vielen Ländern nimmt die Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu, weil Waffen billig und leicht zu bekommen sind. Ein internationaler Waffenhandelskontrollvertrag könnte dies ändern.

Unzählige Frauen und Mädchen sind in der Demokratischen Republik Kongo in dem seit 20 Jahren andauernden Konflikt vergewaltigt worden. Eine von ihnen ist Marie. Die Mutter von acht Kindern aus Masisi in der Provinz Nord-Kivu ging eines Morgens aus dem Haus, um Früchte zu pflücken. Plötzlich standen vor ihr zwei Soldaten im Feld:

"Sie hielten mich fest und drohten, dass sie mich töten würden, wenn ich jemandem davon erzählte. Ich hörte Schüsse und dachte, dass das ganze Dorf überfallen wird. Einer der Soldaten vergewaltigte mich sechs Mal. Dann verlangte er von mir, dass ich ihn zu meinem Haus bringe. Im Dorf sah ich, dass die Häuser geplündert wurden..."

 

Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen werden im Kongo immer wieder als Kriegswaffe eingesetzt, um Gemeinschaften und Familien gezielt zu zerstören. Für diese Verbrechen sind sowohl Soldaten der Regierungsarmee und Polizisten als auch die verschiedenen Rebellengruppen verantwortlich.

Durch unkontrollierte Waffenlieferungen an die kongolesische Regierung wird der Konflikt immer wieder angeheizt. Viele der Waffen landen jedoch durch Handel zwischen Regierungssoldaten und Rebellengruppen auf undurchsichtigen Wegen auch in den Händen der Rebellen.

Ein Kontrollvertrag für den internationalen Waffenhandel könnte all dies verhindern!

Im vergangenen Jahr ist das Zustandekommen eines solchen "Arms Trade Treaty (ATT)" bei der UNO am Widerstand der USA gescheitert. Doch ab dem 18. März 2013 verhandeln die UNO-Mitgliedsstaaten erneut über einen Vertrag zur Kontrolle des internationalen Waffenhandels.

Beteiligen Sie sich am heutigen Weltfrauentag an unserer Online-Petition und fordern Sie US-Präsident Obama auf, bei der Konferenz in New York für einen Waffenhandelskontrollvertrag zu stimmen! Damit im Kongo nicht noch mehr Menschen der Waffengewalt zum Opfer fallen.

Hier geht es zur Online-Petition - jetzt mitmachen!

 

In den vergangenen Jahren wurde die kongolesische Regierung mit großen Mengen an Kleinwaffen, Munition, Tränengas, gepanzerten Fahrzeugen, Artilleriegeschossen und Granaten beliefert. Das Gros dieser Waffen stammt aus China und  der Ukraine, aber auch aus Frankreich und den USA wurden Waffen in den Kongo geschickt.

In den meisten von Amnesty untersuchten Fällen wurden die Waffenlieferungen von den zuständigen Regierungen genehmigt, obwohl das hohe Risiko bekannt war, dass sie für schwere Menschenrechtsverletzungen oder Kriegsverbrechen im Kongo verwendet werden können.

Auch in anderen Ländern nimmt Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu, weil Waffen billig und leicht zu bekommen sind.

In Guatemala wurden nach Behördenangaben 560 Frauen allein im Jahr 2012 ermordet. Damit erhöhte sich die Anzahl der Morde an Frauen wegen ihres Geschlechts in diesem Land in den letzten zehn Jahren auf über 6.000. Ein hoher Prozentsatz geschah unter Einsatz von Waffengewalt. Guatemala importiert nach wie vor viele Kleinwaffen wie Pistolen und Revolver sowie Munition. Zwischen 2004 und 2006 exportierten Länder wie die Tschechische Republik, Südkorea, Argentinien, die Slowakei und Deutschland solche Waffen im Wert von 3. 716.666 US-Dollar nach Guatemala.

Auch in Mexiko ist die Anzahl der getöteten Frauen extrem hoch. In der mexikanischen Stadt Ciudad Juárez wurden 320 Frauen allein im Jahr 2011 getötet. Das mexikanische Militär bekämpft hier seit 2008 die herrschenden Drogenkartelle. Immer wieder sind Frauen die Opfer der kriegsähnlichen Auseinandersetzungen. Durch die steigende Zahl von Schusswaffen sinkt die Hemmschwelle zum Mord – vor allem auch zum Mord an Frauen.

In Haiti kommt es nach dem verheerenden Erdbeben Anfang 2010 in den Notlagern immer wieder zu Vergewaltigungen von Frauen durch bewaffnete Banden. Das Schicksal von Denise steht stellvertretend für die Gewalt an Frauen in den Lagern:

„Ich schlief unter meiner Plane, als drei Männer sie aufrissen, hineinstürzten und mich vergewaltigten. Sie waren bewaffnet und richteten ihre Waffen auf mich. Diese Männer kamen nur in das Camp, um so etwas zu tun.“

 

In Armeen und bewaffneten Gruppen kämpfen weltweit mehr Männer als Frauen. Doch Frauen und Mädchen geraten in Kriegen zwischen die Fronten. Sie sterben im Kugelhagel. Sie werden mit Maschinengewehren im Anschlag vergewaltigt. Sie flüchten vor der Gewalt und harren monatelang in provisorischen Lagern aus.

Und wenn die Waffen schweigen? Dann sind Frauen auch zu Hause nicht sicher. Zurückkehrende Soldaten, oft traumatisiert und zur Brutalität „erzogen“, tragen Gewalt in die Familien hinein. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Studien vorgelegt, wonach Gewalt in Kriegsgebieten auch nach dem Ende der Kämpfe weit verbreitet ist, unter anderem weil Gewalt „normal“ geworden ist und Waffen weit verbreitet sind. Etwa 60% aller Kleinwaffen befinden sich heute in den Händen von Zivilisten.

Amnesty setzt sich seit Jahren beharrlich für Kontrollen des internationalen Waffenhandels ein. Leider verhinderten die USA 2012 in letzter Minute eine Einigung. Deshalb richten wir unsere Forderungen insbesondere an die USA als weltweit größten Rüstungsexporteur.

Unterstützen auch Sie unsere Forderungen und unterzeichnen Sie die Online-Petition an Barack Obama: www.amnesty.de/att

Denn starke Kontrollen im weltweiten Waffenhandel schützen auch Frauen und Mädchen!

Vielen Dank für Ihren Einsatz!

Ihr Kampagnen-Team von Amnesty International in Deutschland

 

Weitere Informationen zur Amnesty-Kampagne "Hände hoch für Waffenkontrolle" finden Sie hier: www.amnesty.de/haendehoch

Weitere Informationen zum Thema "Menschenrechtsverletzungen an Frauen" finden Sie hier: www.amnesty-frauen.de

Bild oben:

Vergewaltigungen als Kriegswaffe: Unzählige Frauen und Mädchen sind in der Demokratischen Republik Kongo in dem seit 20 Jahren andauernden Konflikt vergewaltigt worden, um die Familien und Gemeinschaften gezielt zu zerstören.

© Cédric Gerbehaye / VU / laif