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Kamerun: Liebe ist kein Vebrechen!

13/02/2014 von Alice Nkom (Menschenrechtsaktivistin und Gründerin der Organisation ADEFHO)

Alice Nkom aus Kamerun ist Menschenrechtsaktivistin, Anwältin und Gründerin der Organisation „Association pour la Défense des Droits des Homosexuel(le)s“ (ADEFHO). In diesem Blog-Text berichtet sie von ihrem Engagement für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle (LGBTI).

In meiner Heimat Kamerun werden immer mehr Menschen allein aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer geschlechtlichen Identität für Jahre ins Gefängnis gesteckt.

Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle (LGBTI) sind Gewalt, Diskriminierung, willkürlichen Verhaftungen und Anklagen ausgesetzt. Sexuelle Handlungen zwischen Personen des gleichen Geschlechts können mit fünf Jahren Haft bestraft werden. Oftmals droht bereits bei einem Kuss, der falschen Kleidung oder einer bloßen Anschuldigung die Festnahme.

Homosexuelle werden auf der Straße offen angegriffen und bespuckt. Mit der Drohung, sie der Justiz zu melden, werden sie erpresst und ausgegrenzt. Die Polizei misshandelt sie und spioniert sie aus. Ihre Familien verstoßen sie.

Für mich war es keine Option, schweigend und tatenlos dabei zuzusehen, wie die Rechte meiner Mitmenschen mit Füßen getreten werden. Daher setze ich mich seit mehr als zehn Jahren als Anwältin vor Gericht und mit meiner Organisation „Association pour la Défense des Droits des Homosexuel(le)s“ (ADEFHO) für die Rechte von LGBTI ein. Amnesty International teilt unsere Anliegen und unterstützt unsere Arbeit.

Bitte unterstützen auch Sie uns! Beteiligen Sie sich an der Online-Petition von Amnesty und fordern Sie ein Ende der Verfolgung von LGBTI in Kamerun: http://www.amnesty.de/LGBTI

 

See video

Sehen Sie hier eine Video-Botschaft von Alice Nkom, in der die Menschenrechtsaktivistin die Situation von LGBTI in Kamerun schildert und die Arbeit ihrer Organisation vorstellt. (Video auf YouTube ansehen)

Mein Engagement ist vielen ein Dorn im Auge. Ich habe bereits mehrere Male Morddrohungen erhalten. Hochrangige Regierungsvertreter wollten mich am liebsten verhaften lassen. Doch ich lasse mich nicht einschüchtern, denn der Einsatz zahlt sich aus: in rund fünfzig Fällen konnten wir eine außergerichtliche Lösung für unsere Klienten finden, und wir erreichten den ersten Freispruch zweier Angeklagter in Kamerun überhaupt, die nur verhaftet wurden, weil sie Frauenkleider trugen, und wegen angeblicher homosexueller Handlungen vor Gericht gestellt wurden.

Die Drohungen und Anfeindungen belasten mich. Aber ich weiß auch, dass Amnesty International und andere Organisationen ein Auge auf mich und meine Situation haben. So schaffe ich es, den Kampf weiterzuführen und mich von der Atmosphäre des Hasses nicht beeinflussen zu lassen.

Im März dieses Jahres zeichnet mich die deutsche Amnesty-Sektion mit dem Amnesty-Menschenrechtspreis aus. Ich fühle mich sehr geehrt. Dieser Preis ist eine großartige Unterstützung. Er stärkt mich in meiner Überzeugung, dass man niemals zögern darf, sich für den Schutz der Menschenrechte für alle einzusetzen.

Menschen sind nicht gleich, aber ihre Rechte. LGBTI-Personen haben das gleiche Recht auf Schutz wie alle anderen Menschen. Ihre Diskriminierung ist ein Verbrechen und muss beendet werden!

Werden Sie aktiv! Jetzt mitmachen: http://www.amnesty.de/LGBTI

 

Vielen Dank für Ihren Einsatz!

Mit freundlichen Grüßen

Alice Nkom

Bild oben:

LGBTI-Aktivist aus Kamerun.

© Toby Binder