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Stop Folter: Freiheit für Ángel Colón!

17/09/2014 von Online-Team (Abt. Kommunikation & Kampagnen, Amnesty Deutschland)

Die Fahrt von Guadalajara aus hatte etwa zweieinhalb Stunden gedauert, als wir schließlich die mexikanische Zentrale für Resozialisierung – ein Gefängnis mit dem ominösen Namen „CEFERESO Nummer 4“ – erreichten. Aus den langwierigen Sicherheitskontrollen hätte man schließen können, unser Amnesty-Team sei auf dem Weg zu einem Terrorverdächtigen ...

Stattdessen wollten wir Ángel Amilcar Colón Quevedo interviewen: einen afro-honduranischen Menschenrechtsaktivisten, der in den letzten Jahren Folter, rassistischer Diskriminierung und einem langjährigen unfairen Gerichtsverfahren ausgesetzt war. Dass er nun unter solch widrigen Bedingungen inhaftiert ist, lässt die Ungerechtigkeit, die er erfahren hat, nur noch grausamere Dimensionen annehmen.

16 Stunden Folter und ein erzwungenes Geständnis

In unserem Gespräch stellte sich Ángel als eloquenter Mann heraus, der über einen beeindruckenden Gerechtigkeitssinn verfügt.  In seiner Heimat hatte er sich als Aktivist für die Rechte der Garífuna Gemeinschaft eingesetzt, bis ihn Anfang 2009 ein schwerer Schicksalsschlag ereilte: Einer seiner Söhne erkrankte an Krebs und er benötigte dringend Geld, um die medizinische Behandlung zu finanzieren. In der Hoffnung, in einem anderen Land mehr verdienen zu können, versuchte er wie viele andere hunderttausende Zentralamerikaner über die Flüchtlingsroute durch Mexiko in die USA zu gelangen.

Doch in Tijuana wurde er während einer Razzia der örtlichen Polizei festgenommen. In Haft setzte es Folter: Man schlug ihm in die Rippen, trat ihm in den Bauch und zwang ihn, auf den Knien zu kriechen. Er musste sich nackt ausziehen und die Schuhe der anderen Gefangenen ablecken. Die ganze Zeit über brüllten seine Peiniger rassistische Beleidigungen. Nach 16 Stunden Folter wurde er zu dem Geständnis gezwungen, dass er Mitglied einer kriminellen Bande sei.

Das erfolterte Geständnis bildet noch heute die Grundlage für seine Inhaftierung. Eine Untersuchung seiner Foltervorwürfe fand nicht statt. Obwohl Gerichtsmediziner bestätigten,  dass er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gefoltert wurde, blieb er inhaftiert. Und erhielt schließlich die Nachricht, dass sein Sohn nur wenige Monate nach seiner Abreise verstorben war.

Folter kann jeden treffen

Bei unserem Besuch berichteten wir Ángel von den vielen Aktionen, die überall auf der Welt zu seinem Einzelfall veranstaltet worden sind. Wir zeigten ihm die Bögen mit Solidaritätsbekundungen von über 2000 Menschen, die von der mexikanischen Sektion von Amnesty International zusammengestellt worden waren. Ihre Nachrichten rührten ihn zu Tränen.

Ángel selbst hat den Glauben an Gerechtigkeit nicht verloren: „Was ich will, ist, dass die Leute, die diese Taten begangen haben, zur Rechenschaft gezogen werden. Damit das, was mit mir geschehen ist, niemand anderem geschieht.“ Er ist allen dankbar, die sich seines Falls angenommen haben, und ermutigte sie, im Kampf gegen Folter nicht aufzugeben. Denn, so seine Worte: „Folter kennt keine Farbe, keine Rasse, kein Unterscheidungsmerkmal. Es kann jeden treffen.“

Wir verließen CEFERESO Nummer 4 mit dem Vorsatz, in den kommenden Wochen noch mehr Aufmerksamkeit auf Ángels Fall zu lenken und die mexikanische Regierung weiter unter Druck zu setzen. Diese Wochen werden richtungsweisend sein, weil die Staatsanwälte Mitte Oktober eine Entscheidung treffen, ob sie sich weiter mit dem Fall befassen wollen. Wir müssen zügig handeln.

Ángel selbst ist überzeugt, dass seine Freilassung näher rückt. Seine Überzeugung muss unsere Überzeugung werden. Seine Entschlossenheit muss unsere werden. Wir dürfen nicht aufgeben.

Alex Neve (Generalsekretär der kanadischen Sektion von Amnesty International)

Hier geht es zur Urgent Action für Ángel Colón

Dieser Beitrag ist zuerst auf dem LIVEWIRE Blog von Amnesty International erschienen.

 

Bild oben:

Das Folteropfer Ángel Amílcar Colón Quevedo zusammen mit Alex Neve, Generalsekretär von Amnesty International Kanada

© Amnesty International