Skip to main content

"Das ist einfach unglaublich!"

09/04/2015 von Online-Team (Abt. Kommunikation & Kampagnen, Amnesty Deutschland)

Im Rahmen des weltweiten Amnesty-Briefmarathons im Dezember 2014 machten sich unglaubliche 241.289 Menschen für Chelsea Manning stark. Über 17.000 Briefe und Karten wurden an sie persönlich versandt.

Nun bedankt sich Chelsea Manning mit einem Brief aus dem Gefängnis bei allen Amnesty-Unterstützerinnen und Unterstützern. Sie befindet sich derzeit in einer Hafteinrichtung im US-Bundesstaat Kansas, wo sie eine 35-jährige Freiheitsstrafe verbüßt, weil sie vertrauliche Dokumente der US-Regierung an die Enthüllungsplattform WikiLeaks weitergegeben hatte.

Der Brief von Chelsea Manning an alle Unterstützer_innen von Amnesty (übersetzt aus dem Englischen):

Ich möchte mich bei euch allen von ganzem Herzen für eure Unterstützung und Solidarität bedanken. Man hat mir gesagt, dass sich über 200.000 Menschen für mich eingesetzt haben. Das ist einfach unglaublich!

Unendlich dankbar bin ich auch den Tausenden von Menschen, die sich die Zeit genommen haben, mir mit aufmunternden Worten zu schreiben und sich in meiner Sache an den Präsidenten [Barack Obama] zu wenden [um sich für eine Begnadigung einzusetzen].

All diese Karten und Briefe haben die Poststelle des Gefängnisses und meine Zelle regelrecht überflutet – zu meinem Geburtstag, an den Feiertagen und während des Amnesty-Briefmarathons im Dezember. Ich habe jede einzelne Nachricht gelesen! Ich danke euch von ganzem Herzen für die aufmunternden Worte, die mir viel Kraft gegeben und Trost gespendet haben.

Am liebsten würde ich jedem und jeder einzelnen von euch persönlich dafür danken, dass ihr mir mit euren vielen Briefen und Karten so große Freude bereitet habt. Ich werde mir die größte Mühe geben, aber von hier aus ist das leider nur sehr schwer zu schaffen.

Vorbereitung des Berufungsverfahrens

Mein Tagesplan hier ist sehr voll und durchstrukturiert. Unter der Woche mache ich eine Art Berufsausbildung in einer Holzwerkstatt, was in etwa so viele Stunden in Anspruch nimmt wie eine Vollzeitarbeitsstelle. Außerdem arbeite ich im Fernstudium auf einen Bachelor-Abschluss hin. Ich treibe viel Sport, um in Form zu bleiben, und lese Zeitungen, Magazine und Bücher, um mich über die weltweiten Geschehnisse auf dem Laufenden zu halten.

Ich bereite mich momentan auf mein Berufungsverfahren vor. Meine Rechtsbeistände Nancy Hollander und Vince Ward und das gesamte Team hoffen, innerhalb der nächsten sechs Monate den Berufungsschriftsatz vor Gericht einreichen zu können. Einen kleinen Erfolg konnten wir schon verbuchen: Das Gericht erkennt nun meine gewählte Geschlechtsidentität an und verwendet in den Gerichtsakten weibliche Pronomen für mich (sie, ihr, usw.).

Wie Chelsea Manning sich selbst sieht. Gestaltet von Alicia Neal gemeinsam mit Chelsea. In Auftrag gegeben durch das Chelsea Manning Support Network, 23. April 2014.

Hormonbehandlung gewährt

Im Februar durfte ich endlich mit einer Hormonbehandlung beginnen, um künftig als Frau leben zu können. Es ist für mich eine unglaubliche Erleichterung, dass sich die Kluft zwischen meinem Körper und meinem Geist nun allmählich schließt. All der Stress und die Angst fallen langsam von mir ab.

Insgesamt bin ich also sehr optimistisch. Und ich bin unendlich dankbar für eure Unterstützung! Ihr gebt mir die Kraft, die ich brauche!

Herzliche Grüße
Chelsea Manning

Bild oben:

Aufgenommen im ehemaligen Gefängnis von Alcatraz in San Francisco während des Briefmarathons von Amnesty International USA (Write for Rights), 1. Dezember 2014.

© William Butkus